18:00 Uhr
Stadtbibliothek „C. Battisti“, Museumsstr. 47

Öffentliche Tagung

 

Anlässlich des Holocaust-Gedenktags wird das Friedenszentrum versuchen, anhand der Gedanken von Hannah Arendt zu überlegen, wie es dazu kam, dass wir in einer Realität leben, in der Unterdrückung und Gewalt herrschen, und welcher Prozess zu den Schrecken von Auschwitz und anderen Konzentrationslagern geführt und ganz allgemein zur Entwicklung einer auf Ausrottung bedachten Politik beigetragen hat.

Warum waren die Kriterien, die man normalerweise bei der Beurteilung von Sachverhalten und Personen berücksichtigte, in der Zeit des Nationalsozialismus wirkungslos? Es war, als ob die Welt implodiert wäre und es unmöglich geworden wäre, Gut und Böse zu unterscheiden.

Arendt verfolgt den Prozess, der Eichmann (SS-Kommandant, der die Deportierung und Vernichtung der Juden während des Zweiten Weltkriegs organisierte) wegen der unter dem Nationalsozialismus begangenen Verbrechen zum Tode verurteilt, und bringt durch ihre Reportagen für den „ New Yorker“ die moralischen, politischen und rechtlichen Probleme ans Licht, die sich aus dem Handeln von Eichmann ergaben, einem Nazi-Funktionär, der in den Augen der Philosophin als „banal“ erschien, schrecklich in seiner mittelmäßigen „Normalität“.

Aus dieser Perspektive entwickelt sich Arendts philosophisches Denken über „Die Banalität des Bösen“.

 

Vortrag von

Federico D'AgostinoExperte für Jüdische Studien und Thora an der reformierten Beth-Hillel-Gemeinde in Rom und einer deren Gründer

 

Einleitung und Moderation durch

Alessia Giangrossi – Lehrkraft für Philosophie und Geschichte am Lyzeum „Carducci“ in Bozen.

 

Veranstaltung auf Italienisch

 

Initiative im Rahmen des Projekts “Remember Festival” und in Zusammenarbeit mit der Bürgerbibliothek „C. Battisti“

 

Federico D'Agostino wird die Zuhörer in die komplexe Dimension von Arendts Denken über die Banalität des Bösen einführen und dabei von den Texten ausgehen, die sie zur Formulierung dieser Theorie veranlasst haben: Er wird Arendts Überlegungen zum politischen Urteil untersuchen, ausgehend von den Schriften der 1950er Jahre, weiter über ihre Seminare zu Kant und die Tagebücher und mit ihrem letzten, wegen des Todes der Verfasserin unvollendeten Werk „Das Leben des Geistes“ schließen, dessen letztes Kapitel nicht zufällig die Überschrift „Urteilen“ trägt.

 

Federico D’Agostino war zwei Jahrzehnte lang Mitarbeiter von Limes, einer italienischen geopolitischen Zeitschrift. Seine Studienfächer sind Philosophie und Judentum. Er arbeitete an den Texten von Hannah Arendt und beschäftigte sich später mit dem Denken von Maimonides und der politischen Theologie von Jonathan Sacks. Im Jahr 2023 veröffentlichte er „Der spinozistische Jude“ (Marietti 1820).